Bürgerbewegung für Sachsen

BODENSTÄNDIG WIRTSCHAFTENDer sächsische Mittelstand: gewerbliche Produzenten, Handwerker, Freiberufler, Dienstleister

Nach der akuten weltweiten Finanzmarktkrise von 2009 bis 2011 waren viele Regierungen beeindruckt von der Stärke und Robustheit des deutschen Mittelstands. Die USA, Russland und die EU-Kommission wollten alle den deutschen Mittelstand kopieren. Da dieser aber über Jahrhunderte gewachsen ist, ist er nicht so leicht kopierbar. Inzwischen wissen das auch alle anderen und manche bekämpfen nun, was sie nicht kopieren können. Der Angriff auf den deutschen Mittelstand wurde längst ausgerufen. Dem zu widerstehen und die eigene wirtschaftliche Grundlage zu verteidigen, gehört zu den wichtigsten politischen Aufgaben unserer Zeit. Unternehmer sollten hier den Schulterschluss mit Politikern üben. Wir tun das mit dieser Plattform zur Unterstützung der Freien Wähler in Sachsen für die Wahl zum Sächsischen Landtag am 1.September 2019.weiterlesen

Über die Hälfte der sogenannten „Hidden Champions“ weltweit liegen in Deutschland. Historisch in der deutschen Kleinstaaterei gewachsen, in der Wettbewerb und Vielfalt groß geschrieben wurden, um die (nahe gelegenen) Nachbarn immer wieder sportlich übertrumpfen zu können, entwickelte sich der deutsche Mittelstand über Jahrhunderte, insbesondere auch im östlichen Mitteleuropa, zu dem Sachsen gehört.

Ludwig Erhards soziale Marktwirtschaft baute auf diesem Modell des Mittelstandes auf, das bereits 1919 im Artikel 164 der deutschen Reichsverfassung verankert wurde. Deutschland machte den Mittelstand seither zu einem ökonomischen Konkurrenzmodell zur französischen Staatswirtschaft und zum angelsächsischen Wirtschaftsmodell.

Der Mittelstand hat in Deutschland eine tragende Rolle, spiegelt persönliche und unternehmerische Vernunft wider, weil die Unternehmer für ihr Handeln auch selbst haften. Zum Mittelstand gehören nicht nur kleine und mittlere Unternehmen im produzierenden Gewerbe oder Dienstleistungsbereich, auch große Firmen mit vielen Hunderten Beschäftigten gehören dazu, wenn sie vom Eigentümer geführt werden und dessen persönlicher Haftung unterliegen. Auch das Handwerk und die Freien Berufe gehören dazu. Zusammen bilden sie ein Dreieck wirtschaftlicher Stabilität, hoher Qualität der Produkte und stabiler sozialer und ökonomischer Entwicklung in Stadt und Land.

In Sachsen wurde nach dem Mauerfall viel im Mittelstand aufgebaut - eigenverantwortlich, entbehrungsreich und langwierig, aber auch frei und selbstbestimmt. Diese Firmen zu stärken und in ihrem Größenwachstum zu unterstützen, ist eine der vornehmsten Aufgaben dieser Plattform zur Unterstützung der Freien Wähler in Sachsen, die sich dem Mittelstand natürlich verbunden fühlen, insbesondere in den mittleren und kleineren Städten. Selbstständigkeit und allgemeiner Wohlstand hängen von den Grundprinzipien mittelständischem, bodenständigen Wirtschaftens ab: Tradition und Stolz, Innovationskraft, vernünftige Entscheidungen und persönliche Haftung, soziales Engagement vor Ort, sittlicher Umgang mit den Mitarbeitern, soziale und ökologische Nachhaltigkeit vor Ort, flexibel und anpassungsfähig. Mittelstand ist eine Haltung: sein Bestes zu geben, Verantwortung zu übernehmen und mit Weitsicht zu agieren. Ein solches ökonomisches Selbstverständnis: zu besitzen, zu leiten, zu riskieren und zu haften, zeitigt Ergebnisse, die die Welt beeindrucken und uns redlich ernähren.

Da nur 20% der sächsischen KMU mehr als 5 vollbeschäftigte Mitarbeiter haben, sind diese 20% an Klein-, Mittel- und Großunternehmen zu unterstützen. Sie bilden einen wichtigen ökonomischen Kern, insbesondere vor dem Hintergrund, dass immer noch eine Reihe von „verlängerten Werkbänken“ in Sachsen wichtige Arbeitgeber für eine umfangreiche Zuliefererstruktur sind. Hier die Abhängigkeit zu reduzieren, ist uns sehr wichtig. Die Inhaber im sächsischen Mittelstand sind im Durchschnitt mit 48 Jahren gar so alt. Verglichen mit anderen Bundesländern ist der Anteil der Inhaber, die jünger als 40 Jahre sind, am höchsten. Damit ist die Altersstruktur im sächsischen Mittelstand vergleichsweise jung.einklappen

Die sächsische Landwirtschaftmehr kleinere Strukturen

Auch in der Landwirtschaft ist bodenständiges Wirtschaften für uns ein wichtiges Thema. Es muss in der Agrarstruktur eine gewisse Vielfalt geben. Die EU - Agrarsubventionen sollten sinken und zielgenauer eingesetzt werden, um die Bodensperre aufzuheben. Wir wollen mehr eigene Gemüse- und Obstproduktion und mehr Bioprodukte. Eine kleinteilige, hochproduktive Landwirtschaft auf guten Böden und eine Landwirtschaft auf dürren Böden könnten nebeneinander gut existieren. Hofläden hätten wieder eine bessere Chance.weiterlesen

Heute werden zwei Drittel der Landwirtschaftsfläche von Großbetrieben bewirtschaftet und nur ein Drittel von kleineren Produzenten. In Zukunft sollte es andersherum sein. Wo es arme, karge Böden gibt, ist ein gewisser Anteil an großen Agrarunternehmen sinnvoll, weil sie auf solchen Böden noch betriebswirtschaftlich erfolgreich sein können. Aber in Sachsen gibt es gute Böden, aus denen sich viel mehr herausholen lässt: wertvolles Gemüse zum Beispiel. Großflächig Getreide und Raps anzubauen, ist etwas für karge Böden, nicht für reichhaltige. Dann bräuchten wir auch keine Gemüse aus anderen Ländern zu importieren. Die flächenbezogenen Agrarsubventionen zementieren diesen Missstand. Je mehr Fläche ein Landwirtschaftsbetrieb hat, desto mehr Fördergelder, große Summen, fließen. Das führt dazu, dass alle Betriebe die Flächen an sich binden, also nicht verkaufen und lange Pachtverträge aushandeln. Die Laufzeiten liegen mittlerweile bei 24 Jahren. Noch Anfang der Neunzigerjahre waren es sechs Jahre. Die Fachleute nennen das Bodensperre. Es gibt die alten Hofstellen noch, aber sie sind von ihrem Land amputiert, weil die Großen nicht loslassen. Deutlich wird das beim Bio-Sektor. Es gibt in Sachsen die Nachfrage nach solchen Produkten, aber nicht genügend Anbieter. So müssen Bioprodukte importiert werden. Da müsste die Landespolitik und auch EU mal aufwachen, aber es tut sich nichts. Ein Ende der Flächensubventionierung ist nicht in Sicht. Dabei wäre dieser Schritt überfällig und extrem wichtig. Sachsen sollte da in Brüssel seine Stimme erheben. Wenn man überhaupt Fläche subventioniert, dann nur bei kargen Böden. Was die sächsische Landwirtschaft betrifft, könnten die 1920er-Jahre ein Vorbild sein. Da gab es in Sachsen große Wirtschaftshöfe und ganz viele Kleinbauern bis hin zum Nebenerwerb. Da hatte praktisch jeder auf dem Dorf ein paar Tiere, Gemüsebeete und Obstbäume hinterm Haus. Vieles wurde für die Selbstversorgung produziert und über die Direktvermarktung an den Kunden verkauft. Da müssen wir wieder hin. Es gibt Studien und Berechnungen, die kommen zu dem Ergebnis, dass eine kleinteilige Landwirtschaft sogar viel leistungsfähiger wäre als die heute vorherrschenden Großbetriebe. Denn die großen Betriebe halten sich heute oft nur wegen der Flächensubventionen. Kleinere Betriebe könnten aber mehr arbeitsintensivere Kulturen anbauen und so mehr Gewinne je Flächeneinheit runterholen.Mit einer kleinteiligen Landwirtschaft würden die Preise steigen, aber nicht extrem. Dafür würde sich aber auch die Qualität verbessern. In Deutschland sind im europäischen Vergleich die Lebensmittel heute vergleichsweise billig und schlecht. Sie schmecken nicht, sondern enthalten vor allem viel Wasser. Der Grund ist, dass alles viel zu schnell von unserer industriellen Landwirtschaft hochgezüchtet wird – Tiere und Gemüse. Da geht es nur um Masse, die für den Großhandel und den Weltmarkt produziert wird. Wer aber in seinem Hofladen den Kunden in die Augen blicken muss, produziert ganz anders.einklappen